 ##  [Dervins Sense-Making-Ansatz](/de/node/72233) 

 Definition

Eine konstruktivistische, nutzerzentrierte Theorie, die Informationssuche als ‚Sense‑Making‘ auffasst: einen aktiven Prozess, in dem Individuen eine situative Lücke zwischen aktueller und gewünschter Situation identifizieren, Fragen konstruieren, Information als Werkzeuge zur Überbrückung dieser Lücke suchen und deren Nützlichkeit im situativen Kontext bewerten.

 

 

 

 

 

 





## Prinzip

Prinzip

Der Wert von Information bemisst sich an ihrer Nützlichkeit, eine spezifische Situation in einen gewünschten Zustand zu überführen; Bedeutung und Relevanz werden vom Suchenden konstruiert und nicht objektiv von Quellen geliefert.

 

 

 

 

 





## Demonstration

Demonstration

Illustratives Szenario: Ein Techniker stößt auf einen unerwarteten Maschinenschaden (Situation) und definiert eine Lücke (Was verursacht den Fehler?). Er formuliert gezielte Fragen, konsultiert Handbücher und Kolleginnen (Handlung), führt eine Reparatur durch, die die Lücke schließt, und bewertet die gefundene Information als erfolgreich, weil sie die Situation in den gewünschten Zustand überführt (Konsequenz).

 

 

 

 

## Fehlanwendung

Fehlanwendung

Sense‑Making so zu interpretieren, dass jede subjektive Deutung gleich gültig sei; der semantische Fehler besteht darin, kontextuelle Bedeutungsbildung mit epistemischem Relativismus gleichzusetzen und gemeinsame Standards sowie einschränkende Evidenz außer Acht zu lassen.

 

 

 

 

 





## Konsequenz

Konsequenz

Richtig angewandt verlagert der Ansatz Design und Evaluation hin zu kontextspezifischen Diensten, dialogischer Unterstützung und nutzerdefinierten Bedürfnissen; bei Fehlanwendung kann die Rolle gemeinsamer Standards, autoritativer Validierung und reproduzierbarer Methoden unterschätzt werden.

 

 

 

 

## Umkehrung

Umkehrung

Bei standardisierten, regelbasierten Aufgaben mit klaren, vereinbarten Prozeduren ist der konstruktivistische Fokus auf individuelle Lückenüberbrückung weniger zentral und oft entbehrlich; dort bestimmen objektive Protokolle und explizite Anleitungen das Verhalten.

 

 

 

 

 





## Abgrenzung

Abgrenzung

Eindeutig innerhalb: schlecht strukturierte, interpretative Probleme, bei denen Nutzer die Lücke definieren und nützliche Information bestimmen müssen. Grenzfall: professionelle Entscheidungsprozesse, die standardisierte Protokolle und kontextuelles Urteil verbinden. Eindeutig außerhalb: Abruf eindeutiger Fakten, die nur geringe Sinnkonstruktion erfordern.

 

 

 

 

 





## Semantische Spannung

Semantische Spannung

Subjektive Sinnkonstruktion ↔ Bedarf an geteilter, autoritativer Information: Sense‑Making priorisiert individuelle interpretative Nützlichkeit, was mit Domänen kollidieren kann, die validiertes, standardisiertes Wissen erfordern.

 

 

 

 

 





## Synthese

Synthese

Dervin verschiebt den Fokus von Information als übermitteltem Inhalt zu Information als situativ bewertetes Werkzeug: effektive Unterstützung identifiziert die vom Nutzer definierten Lücken und liefert brauchbare ‚Brücken‘ statt vorgegebener Antworten.