 ##  [Multihoming](/de/node/72939) 

 Definition

Eine Netzkonfigurationsvariante, bei der eine einzelne Routing‑Domäne (AS oder Präfixinhaber) aktive BGP‑Sitzungen zu zwei oder mehr Upstream‑Providern oder Peers unterhält, sodass sie ihre Präfixe über mehrere Pfade ankündigen kann zur Erhöhung von Redundanz, Resilienz, Lastverteilung oder Traffic‑Engineering.

 

 

 

 

 

 





## Prinzip

Prinzip

Mehrere Upstream‑Verbindungen erhöhen die Pfaddiversität und reduzieren die Abhängigkeit von einem einzelnen Provider; die tatsächliche Resilienz und die Kontrolle über eingehenden/ausgehenden Verkehr hängen jedoch von konfigurierter BGP‑Policy (Export/Import‑Filter, AS‑Path‑Manipulation, Local Preference) und davon ab, ob die Domäne provider‑unabhängige Adressen besitzt.

 

 

 

 

 





## Demonstration

Demonstration

Illustratives Szenario → Ein Unternehmen richtet BGP‑Sitzungen zu Provider A und Provider B ein und kündigt seine Präfixe an beide an. Es verwendet AS‑Path‑Prepending gegenüber B, um eingehenden Verkehr zu beeinflussen, und Local‑Preference‑Einstellungen für die ausgehende Auswahl. Fällt Provider A aus, trägt Provider B weiterhin die angekündigten Präfixe und erhält so die Erreichbarkeit, vorbehaltlich der BGP‑Konvergenz.

 

 

 

 

## Fehlanwendung

Fehlanwendung

Fehlinterpretation: Zu glauben, physische Verbindungen zu mehreren Providern würden automatisch vollständige Redundanz liefern. Semantischer Fehler: Die Notwendigkeit von BGP‑Konfiguration, unabhängigen Adressräumen (PI) oder der Akzeptanz durch Peers zu ignorieren — physisches Multihoming ohne passende Routing/Policy kann die Erreichbarkeit nicht sicherstellen.

 

 

 

 

 





## Konsequenz

Konsequenz

Multihoming verbessert die Verfügbarkeit und bietet Flexibilität im Traffic‑Engineering, erhöht aber die operative Komplexität (BGP‑Policy, Monitoring), kann höhere Kosten verursachen und durch Desaggregationen die Größe der globalen Routing‑Tabelle erhöhen.

 

 

 

 

## Umkehrung

Umkehrung

Einschränkung: Multihoming kann wirkungslos sein, wenn Upstream‑Provider bestimmte Präfixe nicht akzeptieren, wenn nur provider‑aggregierter Adressraum genutzt wird oder bei gemeinsamen physikalischen Ausfallursachen; in diesen Fällen verbessert Multihoming die Resilienz nicht wesentlich.

 

 

 

 

 





## Abgrenzung

Abgrenzung

Eindeutig innerhalb: ein AS mit gleichzeitigen BGP‑Sessions zu zwei unabhängigen Transit‑Providern, die dieselben Präfixe ankündigen. Grenzfall: mehrere physische Links zum selben Provider (kein unabhängiges Multihoming) oder Single‑Provider‑Multipath. Eindeutig außerhalb: eine Backup‑L2‑Verbindung ohne unabhängige BGP‑Sessions.

 

 

 

 

 





## Semantische Spannung

Semantische Spannung

Resilienz und Verkehrskontrolle ↔ operative Kosten und Einfluss auf das Routing‑Ökosystem: Netzwerke erzielen Redundanz und Kontrolle auf Kosten erhöhter Konfigurationskomplexität, Kosten und möglichem Wachstum der Routing‑Tabellen.

 

 

 

 

 





## Synthese

Synthese

Multihoming ist ein Trade‑off: Es liefert messbare Verbesserungen in Erreichbarkeit und Kontrolle nur in Verbindung mit korrekten Routing‑Policies und adäquater Adressverwaltung; andernfalls kann die scheinbare Redundanz trügerisch sein und erhebliche Betriebsaufwände erzeugen.