Definition
Eine Eigenschaft eines stabilen, kausalen linearen zeitinvarianten Systems, dessen Inverses ebenfalls kausal und stabil ist; äquivalent dazu liegen alle Nullstellen der Systemübertragungsfunktion in der Stabilitätsregion (im Inneren des Einheitskreises für diskrete z‑Domain, in der linken Halbebene für kontinuierliche s‑Domain). Solche Systeme erreichen die kleinstmögliche Phase (bzw. Gruppengangverzögerung) für eine gegebene Amplitudenantwort; jedes andere System mit derselben Amplitude unterscheidet sich durch einen All‑Pass‑Faktor.
Prinzip
Prinzip
Innerhalb der Klasse kausaler, stabiler LTI‑Systeme mit gleicher Amplitudenantwort minimiert das Minimum‑Phase‑System Phase und Gruppengangverzögerung; algebraisch entspricht dies Nullstellen innerhalb der Stabilitätsregion, sodass kein instabiles oder nichtkausales Inverses erforderlich ist.
Demonstration
Demonstration
Illustratives Szenario: Bei der Auslegung eines digitalen Equalizers, um eine Ziel‑Amplitudenantwort zu erreichen, liefert die Wahl eines minimum‑phase Filters mit dieser Amplitude die geringste Phasenverzerrung und das kompakteste kausale Inverse; die Umwandlung eines nicht‑minimum‑phase Filters in ein minimum‑phase Filter erfordert das Verschieben von Nullstellen und kann Amplitude und kausale Phase nicht gleichzeitig erhalten, sofern kein All‑Pass‑Kompensator hinzugefügt wird.
Fehlanwendung
Fehlanwendung
Zu glauben, jedes System lasse sich in ein minimum‑phase System überführen, ohne die Amplitudenantwort zu ändern oder ohne nichtkausale/instabile Elemente einzuführen, ist falsch; der semantische Fehler besteht darin, Amplitudenerhalt mit Phasenneutralität zu verwechseln und den erforderlichen All‑Pass‑Faktor zu ignorieren, wenn Nullstellen außerhalb der Stabilitätsregion liegen.
Konsequenz
Konsequenz
Ist die Minimum‑Phase‑Annahme erfüllt, lässt sich die Phase (unter Bedingungen) aus der Amplitude rekonstruieren und die kausale Inversion ist möglich; ist sie nicht erfüllt, kann die Inversion instabil oder nichtkausal sein und die Phase lässt sich nicht allein aus der Amplitude bestimmen, ohne zusätzliche All‑Pass‑Struktur anzugeben.
Umkehrung
Umkehrung
Ist das System nichtkausal, instabil oder multikanal mit Phasenrestriktionen (z. B. vorgeschriebene lineare Phase), so gilt das Minimum‑Phase‑Prinzip nicht oder muss angepasst werden; in strukturierten Entwürfen kann eine minimale Phase mit anderen Anforderungen in Konflikt geraten.
Abgrenzung
Abgrenzung
Gilt für SISO‑LTI‑Systeme, die stabil und kausal sind und deren Pol‑Nullstellenlage das relevante Parametrisierungsmodell darstellt; schließt nichtlineare, zeitvariante, nicht invertierbare Systeme sowie Fälle aus, in denen Phasenkonditionen Vorrang vor Phasenminimierung haben.
Semantische Spannung
Semantische Spannung
Minimum‑Phase (Phasenminimierung und kausale Invertierbarkeit) ↔ Linear‑Phase‑ oder symmetrische Antwort‑Designs (die Phasenminimalität zugunsten linearer Phase opfern): Designer müssen zwischen minimaler Gruppeverzögerung und anderen erwünschten Phaseneigenschaften abwägen.
Synthese
Synthese
Die Minimum‑Phase‑Eigenschaft verbindet Lage der Nullstellen mit praktischen Folgen: Nullstellen innerhalb der Stabilitätsregion erlauben kausale Inversion und die geringste Phase zur gegebenen Magnitude; ohne diese Eigenschaft bestimmt die Magnitude die Phase nicht und Inversion kann instabil oder nichtkausal werden.