Definition
Ein Maß für die Anzahl der unterschiedlichen physischen oder digitalen Exemplare, die für einen bestimmten Titel oder bibliographischen Einheit in einer Sammlung gehalten werden, typischerweise pro Titel ausgedrückt (z. B. durchschnittliche Exemplare pro Titel oder Exemplare für eine spezifizierte Teilmenge) und spiegelt Redundanz und sofortige Verfügbarkeit wider, nicht die geistige Breite.
Prinzip
Prinzip
Größere Tiefe erhöht die parallele Verfügbarkeit und Redundanz (vermindert Wartezeiten oder Lizenzkonflikte), verbraucht aber Lagerplatz, Anschaffungsbudget oder Lizenzplätze; Tiefeentscheidungen handeln daher vom Tausch zwischen Verfügbarkeit und Kosten/Platz.
Demonstration
Demonstration
Situation: Eine Universitätsbibliothek muss Kurslektüren für 120 Studierende bereitstellen. Erkennung: Viele Studierende benötigen simultan denselben Titel. Handlung: Die Bibliothek erhöht die Exemplare dieses Titels von 2 auf 20 (physisch oder lizenzierte Sitzplätze). Folge: Höhere Tiefe reduziert Ausleihwartezeiten und Zugangsprobleme für den Kurs, verursacht aber höhere Anschaffungs‑ oder Lizenzkosten und erhöht ggf. Verwaltungsaufwand für Regalfläche oder digitale Lizenzverwaltung.
Fehlanwendung
Fehlanwendung
Tiefe mit Breite verwechseln (viele Exemplare weniger Titel kaufen und dabei die Titelauswahl vernachlässigen); der semantische Fehler besteht darin, Exemplare‑pro‑Titel als Proxy für Sammlungskomplettheit zu verwenden, obwohl sie eine andere Dimension messen.
Konsequenz
Konsequenz
Tiefe beeinflusst direkt Zugangsparameter (Wartezeiten, Kursversorgung) und Betriebskosten (Lagerung, Lizenzgebühren); politische Entscheidungen, die Tiefe für bestimmte Werke erhöhen, reduzieren notwendigerweise Mittel zur Erweiterung der Titelvielfalt oder für Neuzugänge.
Umkehrung
Umkehrung
In Kontexten, in denen Einzigartigkeit erforderlich ist (Seltene Bücher, Einzelstücke in Archiven) oder in denen digitale Lizenzen unbegrenzten parallelen Zugang erlauben, bringen zusätzliche physische Exemplare keinen praktischen Nutzen; in letzterem Fall ist Tiefe in Exemplaren irrelevant und Lizenzbedingungen bestimmen die effektive Tiefe.
Abgrenzung
Abgrenzung
Eindeutig innerhalb: Zählung unterschiedlicher Exemplare (physische Bände oder lizensierte gleichzeitige Nutzerplätze) für dieselbe bibliographische Einheit. Grenzfall: Mehrere Editionen oder Formate — ob sie zur Tiefe gezählt werden, hängt davon ab, ob sie als dieselbe bibliographische Einheit betrachtet werden. Eindeutig außerhalb: Maße der thematischen Breite oder die Anzahl unterschiedlicher Titel (Breite).
Semantische Spannung
Semantische Spannung
Verfügbarkeit (Exemplare erhöhen, um parallele Nachfrage zu decken) ↔ Breite (mehr verschiedene Titel erwerben, um vielfältige Bedürfnisse mit begrenztem Budget zu bedienen).
Synthese
Synthese
Sammlungstiefe quantifiziert Redundanz pro intellektuellem Werk und ist ein anbieterseitiger Hebel zur Steuerung des Zugangs; eine ausgewogene Politik gewichtet Tiefe bei vorhersehbarer Konkurrenznachfrage gegen Breite zur Erhaltung der Diversität und Mission der Sammlung.